Was ist ein Swap?

Zunächst ist der Swap ein derivatives Finanzinstrument (im Folgenden Derivat). Ein Derivat wiederum leitet sich von einer finanzmarktbezogenen Referenzgröße, z. B. Aktien, Währungen, Rohstoffen, Zinsen oder auch Indizes ab (sog. Basiswert oder Underlying). Bei den nun von der Rechtsprechung zu beurteilenden Swaps handelt es sich weit überwiegend um sog. Zinsswaps, deren tatsächliche Grundlage allerdings nicht nur Zins-, sondern auch Währungsentwicklungen waren.

Grundsätzlich sinnvoller Einsatz

Auch wenn Derivate mit Risiken verbunden sind und deswegen häufig in der Kritik stehen, sind sie berechtigterweise aus der heutigen Finanzwelt nicht mehr hinwegzudenken. So können mit einem einfachen und fair strukturierten Zinsswap während der Laufzeit eines konkret aufgenommenen Darlehens die Kreditkonditionen dieses Darlehens verändert werden.

Die Veränderung der Kreditkonditionen erfolgt dabei nicht durch eine Auflösung des Darlehens (zur Vermeidung der Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung), sondern durch einen parallel zum Kredit abgeschlossenen Swap. Dabei vereinbaren die Vertragspartner des Swaps, zu bestimmten zukünftigen Zeitpunkten Zinszahlungen auf einen festgelegten Nennbetrag (den Darlehensbetrag aus dem parallel laufenden Darlehen) auszutauschen. Die Zinszahlungen werden dabei so festgesetzt, dass eine Partei einen bei Vertragsabschluss fixierten Festzinssatz zahlt, die andere Partei dagegen einen variablen Zinssatz (sog. Plain-Vanilla-Swap; englische Bezeichnung für einen gewöhnlichen und einfachen Swap).

Beispiel

Ein Unternehmen hat ein variabel verzinsliches Darlehen über € 10 Mio. von einer Bank  erhalten. Die zu zahlenden Zinsen des Darlehens werden regelmäßig an die Zinsen des Kapitalmarkts angepasst (z. B. 3-Monats-EURIBOR).

Um sich z. B. während der Laufzeit gegen steigende Zinsen abzusichern, schließt dieses Unternehmen einen Swap mit einem dem Darlehensbetrag entsprechenden Nennwert (Bezugsbetrag) von ebenfalls € 10 Mio. mit einer anderen Bank ab. Das Unternehmen erhält dabei aus dem Swap eine variable Verzinsung aus dem Bezugsbetrag von der anderen  Bank in Höhe des 3-Monats-EURIBOR (also im Ergebnis den aus dem Darlehen an die kreditgewährende Bank zu zahlenden Zins). Im Gegenzug dafür zahlt das Unternehmen während der Laufzeit des Swaps einen festgelegten Zinssatz aus dem Nennbetrag an die andere Bank  (z. B. 5 %).

Steigen die Zinsen, steigt der Zinssatz aus dem Darlehen mit der Bank (3-Monats-EURIBOR). Gleichzeitig steigt auch der Zinssatz, den das Unternehmen aus dem Swap mit der anderen Bank erhält. Zu zahlender Zins auf das Darlehen und erhaltener Zins aus dem Swap decken sich. Unabhängig von der Zinsentwicklung zahlt das Unternehmen immer den fixen Zinsbetrag (z. B. 5 %) an die andere Bank.

Im wirtschaftlichen Ergebnis wird mit einem derartigen Swap ein variabel verzinsliches Darlehen in ein festverzinsliches Darlehen umgewandelt. Das ursprüngliche Darlehen zwischen dem Unternehmen und der kreditgebenden Bank bleibt unverändert. Die bei diesen Darlehen vereinbarten Zinskonditionen werden allerdings durch das parallel abgeschlossene Swap-Geschäft „getauscht“ (englisch swap = tauschen).

Der Einsatz derartiger Swaps ist im Ergebnis nichts anderes als die Veränderung der ursprünglich vereinbarten Kreditkonditionen während der Kreditlaufzeit durch den Abschluss eines Derivats. Der Einsatz derartiger Swaps ist kalkulierbar, verständlich und mittlerweile häufig Bestandteil eines unternehmerischen Zinsmanagements.

 

Preisbildung bei Derivaten

Zunächst ist maßgeblich, dass derartige Derivate nicht an einem geregelten Markt gehandelt werden, insofern also keine transparente Preisbildung stattfindet. Um trotzdem zu einer Handelbarkeit zu gelangen, bedarf es also anderer Preisbildungsmechanismen. Dies sind nun finanzmathematische Bewertungsmodelle, die bei den diese Produkte handelnden Banken zum Tragen kommen. Diese finanzmathematischen Bewertungsmodelle ermitteln Preise, auf deren Grundlage ausschließlich zwischen professionellen Finanzmarktteilnehmern ein echter Handel stattfindet. Werden nun z. B. Volatilitäten berücksichtigt, kann sich der Preis eines Finanzderivats natürlich jederzeit ändern, wenn sich die Marktsituation ändert. Aber auch durch die Strukturierung des Derivats wird Einfluss auf dessen Preis genommen. Werden Multiplikatoren (Hebelwirkung), Verstetigungen bei einer bestimmten Entwicklung oder sog. Strikes eingebaut, hat dies eine maßgebliche Auswirkung auf das Chancen-/Risikoverhältnis und damit auf den Preis.

Wird nun für einen solchen Swap auf der Grundlage der finanzmathematischen Bewertungsmodelle ein Preis, der sog. Marktwert, ermittelt, bedeutet ein Marktwert von z. B. € 100.000,00, dass zu diesem Betrag Chancen und Risiken aus dem Einzelabschluss im Rahmen eines Handels bezahlt werden. Dieser Marktpreis entsteht bereits zum Laufzeitbeginn und kann sich während der Laufzeit ändern. Will ein Kunde vor Laufzeitende z. B. den Swap beenden (weil er z. B. sein Darlehen auflöst), erfolgt auf gleicher Grundlage eine Berechnung und ein Ausgleich in Form einer Zahlung dieses „inneren Wertes“ zwischen den Parteien.

Im Rahmen der Strukturierung sind nun die Banken dazu übergegangen, isolierte Risiken zu schaffen, die in keinem Zusammenhang mehr mit tatsächlich vorhandenen Risiken bei einem Kunden stehen. Das Risiko des Derivats stand in keinerlei inneren Zusammenhang mit einem beim Kunden vorhandenen Risiko (z. B. Risiko einer Zinserhöhung bei einem variabel finanzierten Darlehen). Es wurden vielmehr zusätzliche und teilweise sogar unbegrenzte Verlustrisiken geschaffen und dem Kunden aufgebürdet. Dabei wurde das grundsätzlich ausgewogene Chancen-/Risikoverhältnis eines sinnvollen Swaps einseitig zulasten des Kunden verändert, in dem zusätzliche Parameter (wie z. B. die Leiterwirkung, die Hebelwirkung oder die Höhe von Strikes oder Barrieren) zulasten des Kunden eingebaut oder faire Werte verändert wurden. So führten die Leiter- und Hebelwirkung beim Spread-Ladder-Swap nicht nur zu einer Erhöhung des Risikos für den Kunden. In die Struktur war ein einseitiges Beendigungsrecht zugunsten der Bank eingebaut, so dass die Bank für den Fall, dass sich der zugrunde liegende Basiswert zugunsten des Kunden und zulasten der Bank entwickelte, kündigen konnte. Als weitere Besonderheit schloss die Bank bei einer Kündigung ihrerseits aus, den zum Kündigungszeitpunkt zugunsten des Kunden bestehenden Marktwert ausgleichen zu müssen. Durch die Veränderung derartiger Parameter lassen sich beliebige Marktwerte konstruieren. Das Besondere daran ist nun, dass nur die strukturierende Bank die Kenntnis über diese Marktwerte und den tatsächlichen Handel der Produkte auf dieser Grundlage hat.

Ähnliches gilt für sog. Cross-Currency-Swaps. Die Besonderheit bei diesen Swaps lag darin, dass grundsätzliche der Kunde während der Laufzeit die Position einer „schwächeren“ Währung innehatte, so dass am Laufzeitende die erhöhte Gefahr bestand, dass er bei dem vorgesehenen Währungstausch Währungsverluste gegenüber der „stärkeren“ Währung auf Bankseite zu tragen hatte.